Dieser Beitrag ist eine konkrete Anleitung in fünf Schritten, wie du ein kleines Projekt umsetzt und die Raumpsychologie dabei für dich nutzt. Du brauchst nichts ausser Papier und Stift, um dir Notizen zu machen.
- Wo drückt der Schuh?
- Wunderlampe
- In die Tiefe
- Zurück zur Realität
- Klarheit
Wo drückt der Schuh?
Wenn du das liest, hast du vielleicht ein bestimmtes Anliegen oder ein Projekt im Kopf. Vielleicht ist es etwas, das du schon lange angehen willst und immer vor dir herschiebst. Oder deine Lebenssituation hat sich verändert und deine Räume passen jetzt nicht mehr richtig. Oder du startest etwas ganz Neues und fühlst dich verloren vor lauter Entscheidungsmöglichkeiten. Was es auch ist, den ersten und wichtigsten Schritt hast du bereits gemacht. Denn du bist aktiv geworden und nimmst die Herausforderung an. Machen wir die nächsten Schritte gemeinsam:
- Entscheide dich für ein konkretes Thema, das du jetzt angehen willst. Wenn es zu gross ist, zerlege es in kleinere Einheiten und kümmere dich heute nur um einen einzigen Teil.
- Mach dir den Kern des Problems bewusst. Schreib auf, was genau dich an der Situation stört.
- Notiere dir auch das Gefühl, das die Situation auslöst. Entzieht sie dir Energie oder fühlst du einen Energiestau, der raus will? Fühlst du eher Traurigkeit, Angst, Wut oder etwas anderes?
Gut gemacht. Damit ist der schwierigste Teil geschafft. Wir lassen das erst einmal so stehen, ohne direkt zu einer Lösung zu springen. Stattdessen zoomen wir weit heraus und unternehmen zur Erholung eine kleine Reise.
Wunderlampe
Stell dir vor, du läuft durch eine weite Wüste. Dünen aus hellem Sand bis zum Horizont. Bei deinem nächsten Schritt bleibt dein Fuss an etwas hängen. Du schiebst den warmen, weichen Sand beiseite und findest eine alte Öllampe. Und ja, du kannst dir schon denken, wie es weitergeht. Du reibst die Lampe sauber und plötzlich erscheint ein Dschinn, der dir einen Wunsch erfüllen wird, da du ihn freigelassen hast. Es ist allerdings ein etwas verschrobener Dschinn und er macht klar, dass er nur Wünsche erfüllt, die dein Zuhause oder andere Orte, an denen du dich viel aufhältst, betreffen. Ausserdem will er jetzt auch los und du sollst dich bitte schnell entscheiden.
- Welcher Wunsch kommt dir als erstes, ohne grosses Nachdenken, in den Sinn?
- Welche inneren Bilder entstehen in dir, wenn du dir erlaubst, grösser zu denken, wenn alles möglich wäre?
- Mache dir dazu Notizen und schreibe deinen Wunsch auf (es ist auch ok, wenn es mehr als einer ist).
Diese kleine Übung zeigt Sehnsüchte auf, die im Alltag möglicherweise zu wenig Beachtung bekommen. Dass der Wunsch tatsächlich erfüllt wird, ist vielleicht nicht realistisch, aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, den Kompass auszurichten und in die Richtung zu schauen, in die dein Wunsch zeigt.

In die Tiefe
Jetzt tauchen wir tiefer ein in das, was dein Wunsch auslöst. Wir suchen nach Bedürfnissen, die dem zugrunde liegen und die noch mehr Raum bekommen dürften.
- Stell dir vor, dein Wunsch wäre bereits erfüllt. Wie verändert sich dadurch dein Empfinden? Welche der folgenden Gefühle sind besonders stark?
- Du fühlst dich freier, selbstbestimmter und sicherer (1)
- Du fühlst dich stärker eingebunden, aufgefangen und geliebt (2)
- Du fühlst dich leichter, voll Freude und Genuss (3)
- Du fühlst dich authentischer und genau richtig, so wie du bist (4)
- Jede dieser Gefühlsgruppen spricht für ein psychologisches Grundbedürfnis:
- 1 Autonomie und Kontrolle
- 2 Verbundenheit
- 3 Freude und Lust
- 4 Selbstwert
- Notiere dir, welche Gefühle der Wunsch auslöst und welches Bedürfnis sich dadurch zeigt. Vielleicht sind es auch mehrere.
Wahrscheinlich ist das Grundbedürfnis, das sich hinter deinem Wunsch verbirgt, im Moment zu wenig erfüllt. Im nächsten Schritt schauen wir, dass wir mehr davon in dein Leben holen können.
Zurück zur Realität
In deinen Notizen zeigen sich jetzt zwei Erkenntnisse. Erstens: das Problem, wie es sich ganz praktisch in der Realität zeigt. Und zweitens: ein mögliches Ungleichgewicht bei deinen psychologischen Grundbedürfnissen.
- Kannst du einen Zusammenhang zwischen dem konkreten Problem und den Grundbedürfnissen erkennen?
- Verändert sich die Wahrnehmung von dem konkreten Problem – jetzt, da du deine psychologischen Grundbedürfnisse besser verstehst und siehst, was du vermisst?
- Schreibe auf, was du gewinnen willst, indem du das Problem löst. Was ist dein Ziel? Kann es auch einen Beitrag leisten, deine Grundbedürfnisse mehr in Balance zu bringen?
Klarheit
Du siehst dein Anliegen jetzt reflektierter. Vielleicht liegt die Lösung dadurch schon auf der Hand. Falls nicht, finden wir sie in den nächsten Schritten.
- Entsteht dein Problem durch zu viel oder zu wenig von etwas Bestimmten? Gibt es eine Möglichkeit, das zu ändern? Kannst du zum Beispiel dem Problembereich mehr Platz geben oder kannst du etwas reduzieren, Dinge weggeben, die du nicht mehr brauchst?
- Liegt die Ursache des Problems darin, am falschen Ort zu sein? Überlege dir deine alltäglichen Abläufe und versuche, den optimalen Ort zu finden. Vielleicht kannst du etwas umstellen oder anpassen?
- Vielleicht liegt das Problem auch in einer emotionalen Bürde. Weckt die Situation vielleicht schmerzhafte Erinnerungen oder Schuldgefühle? Oder erzeugt sie eine Erwartungshaltung, die dich unter Druck setzt und stresst? Befreie dich von solchem Ballast. Du musst Erinnerungsstücke oder Geschenke nicht behalten oder zumindest nicht sichtbar aufbewahren. Wenn es dir guttut: Weg damit.
- Es ist auch möglich, dass theoretisch alles stimmt, aber du findest dich einfach nicht wieder, die Situation passt nicht zu dir. Dann kannst du versuchen, sie individueller zu gestalten, mehr Persönlichkeit reinzubringen. Dein Wunsch gibt dir vielleicht Ideen, welche Elemente das sein könnten.
Ich hoffe, dass du jetzt konkret vor die siehst, wie du dein Thema angehen kannst. Die Lösung muss nicht perfekt sein – die Hauptsache ist, dass du deinem Ziel ein Stück näher kommst und dabei auch deine Grundbedürfnisse ein bisschen mehr ins Gleichgewicht bringst.

Let’s go
Zum Abschluss: Plane die einzelnen Arbeitsschritte jetzt gleich ganz konkret in deinen Kalender ein. So kommst du direkt ins Handeln und kannst schon bald vom Ergebnis profitieren. Es hilft auch, wenn du dein Ziel irgendwie visualisierst, mit einer kleinen Zeichnung, einem Vision- oder Moodbaord. Das kannst du dir als Hintergrundbild einrichten oder irgendwo hinhängen, damit du dein Ziel immer vor Augen hast. Zumindest so lange, bis es Realität geworden ist.
Hat dir die Schritt für Schritt Anleitung geholfen? Schick mir gerne Feedback oder Vorher-Nachher-Fotos von deinem Projekt an laura@lingen.ch.